Seit knapp einem Jahr ist Eishockey Natigoalie Jonas Hiller wieder zurück in der Schweiz. Nach neun Jahren in der amerikanischen Topliga NHL hat es sich der mehrmalige Olympiateilnehmer komfortabel eingerichtet und lässt sich von seinem Haus viele Aufgaben abnehmen.

26.02.2017
smart home hiller

Sportlich läuft es dem 35-jährigen rund. Mit dem EHC Biel/Bienne hat sich Hiller bereits frühzeitig den Playoff Einzug gesichert. Nach neun Jahren in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL, die gemeinhin als beste Liga der Welt gilt, ist ihm die erfolgreiche Rückkehr in die Schweiz gelungen. Der Vater einer Tochter ist aber nicht nur beruflich, sondern auch privat in seiner Heimat angekommen. Im Kanton Bern hat sich der technikaffine Hiller seinen Traum vom Smart Home verwirklicht.

Was ihm an seinem intelligenten Zuhause am besten gefällt? «Vor allem die Funktionen ‘Kommen’ und ‘Gehen’» antwortet Hiller nach kurzem Überlegen. Drückt er also bei seinem Smartphone auf die Funktion ‘Gehen’ oder zwei Mal auf den Lichttaster am Ausgang, so schalten alle Geräte im Standby-Modus aus. Ist noch ein Fenster geöffnet, so meldet sich SARAH und teilt ihm dies mit. Zieht während seiner Abwesenheit ein Sturm auf, so reagiert das Haus automatisch darauf und bereitet sich vor: Die Sonnenstoren fahren nun ein und, im Falle einer Hagelwarnung, die Rollladen hoch.

Bereits in Nordamerika hat Hiller mit verschiedenen Smart Home Systemen experimentiert, so richtig überzeugt habe ihn aber keines. Mit SARAH hat er sich nun für eine Schweizer Lösung entschieden, die auch für seine Frau und in Zukunft für die gemeinsame Tochter einfach zu bedienen sei.
Was fehlt ihm an seinem Smart Home noch? «Eine Funktion, auf die ich mich besonders freue, ist die Anbindung des bestellten Tesla.» Hiller wird also schon bald nicht nur den Akkustand des Elektrowagens überprüfen und mit seiner Solaranlage aufladen, sondern auch Musik wie auch Temperatur über SARAH steuern können.

Für die SmartWire bedeutet Jonas Hiller ein weiterer zufriedener Kunde, der auf dem Weg von der Planung bis hin zur Realisierung seines Smart Homes von der SmartWire begleitet wurde. Die doppelseitige Reportage zu Jonas Hiller und seinem Smart Home lesen Sie in der Sonntagszeitung vom 26.02.2017.

‚Wenn Herr Hiller nur noch ans Kommen und Gehen denken muss, ist doch das Ziel erreicht?‘

Das ungekürzte Interview mit SmartWire Inhaber Christian Moser

Christian Moser, Geschäftsführer SmartWire AG
Christian Moser, CEO SmartWire AG

Herr Moser, warum brauchen wir Smart Homes?

Wir brauchen kein Smart Home, alles was wir brauchen ist ein Zuhause. Viele Menschen brauchen ein Auto um mobil zu sein, aber wieso muss es mit einer Klimaanlage, ja gar mit einer Klimaautomatik ausgerüstet sein? Wieso braucht es einen Komfort-Blinker? Wieso braucht es ein Navigationsystem und eine Handyfreisprecheinrichtung? Weil wir es möchten und es unseren Alltag einfacher gestaltet. Die heutigen Autos sind nichts anderes als Smart Homes auf vier Rädern. Sie verbinden Komfort, Sicherheit und Ökologie zu jeweils den Gewichtungen wie sie sich der Käufer wünscht. Wir machen bei den Smart Homes nicht anders. Obwohl wir an sich kein Smart Home brauchen um zu sein, so wünschen viele von uns, ein Smart Home sein Zuhause nennen zu dürfen.

Jonas Hiller schätzt vor allem den ‚Kommen‘ und den ‚Gehen‘ Knopf. Ist das nicht etwas wenig Nutzen für ein Smart Home?

Wenn Herr Hiller dies als seinen grössten Nutzen schätzt, dann ist unser Ziel erreicht. Wenn in einem Smart Home der Bewohner nur noch an das Kommen und Gehen denken muss und der gesamte Rest automatisch passiert, dann ist das Ziel doch erreicht? Die Jalousie gehen bei Sonnenuntergang runter, die Markise fährt bei Regen ein und der Rasenmäher fährt los, wenn der Rasen nicht nass ist. Einfache Aktionen, ausgeführt am Nachttischlämpchen durch zweimaliges Taster-drücken sagen dem Haus, dass der Bewohner nun schlafen geht. Das Licht schaltet sich im ganzen Haus aus, unnötige Geräte werden heruntergefahren und vom Strom genommen. Die Alarmanlage schaltet scharf und aktiviert den Anwesenheitsmodus. Dies sind nur einige der Beispiele, welche Herr Hiller und andere Smart Home Bewohner nutzen können ohne, dass es ihnen täglich präsent ist, da das Smart Home für sie bereits zum Alltag geworden ist.

Wann ist ein Heim ein Smart Home?

Hausautomation oder Gebäudeautomationen kennen wir bereits seit ca. 30 Jahren. Wir wissen, dass rein die Leitsysteme ein Haus noch lange nicht «smart» machen. Ein oder mehrere Leitsysteme in einem Haus stellen nur die Gerätekommunikation untereinander sicher. Die darüber liegende Software, welche Gewerke (Licht, Schatten, Sicherheit, Umwelt usw.) verbindet und daraus einen echten Nutzen für den Bewohner generieren kann, nenne ich «smart». Dies kann z.B. sein, dass das Haus selber lernt, wie eine Anwesenheitssimulation für eine spezifischen Haushalt auszusehen hat und Wochenenden und Feiertage dabei selbständig im Algorithmus berücksichtigt oder das System anhand der Luftqualität selber Massnahmen ergreift und die Lüftung hoch dreht, Fenster öffnet oder simple den Bewohner über die verschlechterte Qualität informiert.
Ein Smart Home soll den Alltag vereinfachen, mehr Komfort, Sicherheit und Effizienz bieten als ein «dummes» Haus aber vor allem soll es Freude und Sorglosigkeit bereiten.

Seit Jahren wird für das intelligente Zuhause eine Riesenmarkt vorausgesagt, aber kaum jemand wohnt wirklich smart. Was ist der Grund?

Bis Dato waren Gebäudeleitsysteme immer den Bauherren mit einem etwas grösserem Budget vorbehalten. Das Intelligente Haus hat nach wie vor seinen Preis, ist aber variabler geworden. Dank neuer Technologie wie z.B. IoT Geräten und wird so für ein breiteres Publikum erschwingbar.
Investoren, Architekten und auch Generallunternehmen sind dem Thema «intelligentes Haus» nach wie vor oft skeptisch gegenüber, denn niemand kann ihnen garantieren, dass ihr Mehraufwand auch wirklich den gewünschten (finanziellen) Gewinn erzielen wird. Dies aufgrund der noch relativ jungen Erfahrungswerte im SmartHome Bereich und der Ungewissheit wie sich der Markt (in Sinne von welchen Technologien es in 10 Jahren wirklich noch geben wird) entwickeln wird.
Man erkennt aber einen Wandel, dass immer mehr GU’s ihren Käufern smarte Pakete (Licht, Schatten, Heizung usw.) anbieten und somit sicherstellen, dass sie genau jene «smartness» einbauen welche vom Käufer auch gewünscht und bezahlt wird.

Es herrscht ein Wirrwarr bei den Systemen. Was muss passieren, damit sich ein Standard durchsetzen kann?

Das ist relativ einfach. Solange es die Privatwirtschaft gibt, in der sich verschiedene Produkte konkurrieren, wird es unterschiedliche Standards geben. Einige davon eignen sich besser für industrielle, andere besser für private Gebäude. Einige wiederrum eher für Neu-, andere besser für Umbauten.
Ich vergleiche dies nun wieder mit dem Automarkt. Das Ziel eines Autos ist immer dasselbe. Man möchte von A nach B kommen. Im Prinzip reicht ein Steuerrad, vier Räder und ein Motor. Dennoch gibt es nicht «das Auto». Es gibt X Marken Weltweit welche um ihre Kunden buhlen. Die einen über einen möglichst günstigen Preis die anderen mit Design und den neusten Featuren wie Co-Piloten usw.
Der Kunde wählt am Schluss zu welchem Autohaus er gehen will, welche Extras es sein dürfen und welche Art von Wartung er tatsächlich benötigt. Der Kunde profitiert also letztendlich gar von der grossen Auswahl.
Analog wie in der Autoindustrie zeichnen sich aber auch immer grössere Zusammenschlüsse (Allianzen) zwischen grossen Playern ab, welche versuchen einen gemeinsamen Nenner , einen Standard oder Labels zu definieren. Per se ist das bestimmt ein guter Ansatz, nur leider hat es so viele grosse Player auf dem Markt, dass sich kaum je ein Standard durchsetzen lässt. Die Politik könnte da Einfluss nehmen, aber wenn man bedenkt, das erst jetzt ab diesem Jahr ein universelles Handykabel für alle Handys produziert werden soll, dies 44 Jahre nach dem ersten Handy (1973, Motorola) so denke ich, wird sich die Politik eher zurück halten um Standards für ein komplexes Konstrukt wie ein SmartHome zu erlassen.
Fazit: Ich gehe davon aus, dass sich in naher Zukunft einige Systeme mehr durchsetzen werden als andere. Ein heutiges Smart Home muss also so konzipiert sein, dass es unterschiedliche «Standards» (Sprachen, Schnittstellen, Protokolle) unterstützt um auch in Zukunft dazulernen kann.

Mich dünkt der Aufwand des Konfigurierens im Verhältnis zum der Ertrag/Nutzen, den ein Smarthome bringt, ist zu hoch, wenn man die Masse ansprechen möchte. Wird sich das je ändern?

Der Traum vom Eigenheim ist ein schon sehr oft geträumter und auch realisierter Traum. Je komplexer die Vision des Bauherren, desto mehr Aufwand auch bei der Programmierung. Ich habe bereits Anzeigen in der Zeitung gesehen, in welchen für ein Smart-Fertighaus geworben wird, dies praktisch Kostenneutral. Dies kann man natürlich erreichen, indem man genau vorgibt, welche Geräte verbaut werden. Wenn diese Geräte der Vision des Bauherren entsprechen, Glück gehabt, wenn nicht, generiert es immer mehr Aufwand.
Ist der Fokus des Bauherren auf der monetären Nutzenoptimierung, so lassen sich hier auch verschiedene Potentiale, wie z.B. eine intelligente Einspeisung des eigenen produzierten Stroms implementieren, sodass das Hausautomationssystem quasi die Photovoltaikanlage amortisiert. Die Waschmaschine würde beispielsweise also erst dann starten, wenn genügend eigener Strom produziert wird oder ein Heizungsradiator schaltet aus, wenn das darüber liegende Fenster geöffnet ist.
Das Haus von Herrn Hiller ist ein Unikat und in der Geschichte unseres kleinen Unternehmens SmartWire bestimmt das komplexeste Projekt. Die Aufwände und Erfahrungen, welche wir mit Herrn Hiller machen durften prägen unser Vorgehen und ermöglichen in Zukunft Nutzen und Ertrag sicher positiv zu beeinflussen.

Wie steht es mit der Sicherheit von Smarthomes? Manche Leute befürchten, dass man eines der vernetzten Geräte hacken und in ihr Heim eindringen kann. Ist diese Angst berechtigt?

Ja. Es wird kein IT-ler geben, der diese Frage mit einem «nein» beantworten wird. Sobald wir Geräte haben, welche in irgendeiner Form am Internet angeschlossen sind, sind sie Grundsätzlich verletzlich. In unserem Konzepten des Smart Homes versuchen wir immer die Internet unabhängige Lösung (Kein Cloud basierten Dienste) zu realisieren, die das Risiko für einen Angriff auf ein Minimum reduzieren.
Natürlich müssen wir aber auch mit den Anforderungen von unsern Kunden mithalten. Wenn jemand also nun einen NEST Thermostat oder eine Netatmo Wetterstation möchte, so müssen wir die Daten via Internet abrufen. Dies an sich muss noch kein Sicherheitsrisiko sein und die Firewall schaut schon, dass niemand von extern eindringen kann, wenn aber mal ein Trojaner oder sonst eine Software mit Backdoor bei einem Software update auf solches smartes und harmlos wirkendes Geräten eingespielt wird, dann ist dies das Portal für den Hacker in mein Zuhause. Da nützt kein 128-stelliges WLAN Passwort. Was nun zählt ist die interne Sicherheit. Wurde das Standard Passwort auf dem heimischen NAS geändert, kann ich nur abgesichert auf meine Baby-IP-Kamera zugreifen?
Ich möchte an dieser Stelle nicht Angst und Schrecken verbreiten, aber man muss sich schon bewusst sein, dass ein gewisses Risiko besteht und umso mehr man sich exponiert, desto grösser die Angriffsfläche. Wichtig ist hier eine kompetente Beratung des Integrators, der auf die Wichtigkeit der Geräteauswahl und deren Datenspeicherung hinweist. Wenn man sich dessen bewusst ist und man sich entsprechend verhält, dann ist das Risiko minimal. Auch ich habe z.B. einen NEST bei mir im Einsatz, es ist also nicht so, dass ich grundsätzlich jeden Cloud Dienst misstraue.

Wie sieht es mit der Störanfälligkeit aus? Kann es sein, dass man etwa die Dusche nicht mehr abstellen kann oder Türen nicht mehr aufgehen, wenn das System ausfällt?

Grundsätzlich kann jedes elektrische System einmal ausfallen. Das bei Herrn Hiller eingesetzt Leitsystem (digitalSTROM) verfügt über eine sogenannte dezentrale Logik. Dies bedeutet, auch wenn alle zentralen Serverkomponenten ausfallen würden, könnte er über seine Taster Licht, Jalousie, Markise usw. steuern. Die Automationen würden in diesem Fall nicht mehr funktionieren. Das Haus wäre in diesem Zustand ein sozusagen dummes, aber noch funktionierendes Haus. Türen wie z.B. auch Garagentore lassen sich immer auch notfalls manuell öffnen. Falls im Inneren der Garage kein Zugang zum Haus besteht, sieht der Gesetzgeber sogar vor, dass man das Garagentor auch von innen manuell öffnen können muss.
Also auch bei SmartHomes gibt es immer einen Plan B.

Wenn man ein smartes Heim möchte, wie muss man vorgehen? Kann ich auch ein Haus, das schon gebaut ist, smart machen?

Zuerst einmal muss jeder für sich definieren, was für ihn ein Smart Home ist und welche Anforderungen es erfüllen muss. Mit dieser, ersten Vision empfehle ich dann unterschiedliche Integratoren mit unterschiedlichen Technologien aufzusuchen. Dies kann der seit Jahren treue Elektroinstallateur sein aber auch der Integrator, welcher auf Hausautomation spezialisiert ist. Das Internet oder auch lokale Bau- und Wohnmessen helfen hierbei.
Bei einem ersten Gespräch sollte geklärt werden, in wie fern die Anforderungen mit den Technologien gedeckt werden können. Es kann nun sein, dass man während des Gesprächs die Vision überdenkt und entweder ausbaut oder rückfährt. Das ist alles gut. Wenn man aber mal seine Vision definiert hat, liegt es am Integrator, jene zu planen und zu realisieren. In diesem Zusammenhang ist es häufig sinnvoll, dass der Integrator sehr früh in die Planung miteingebunden wird und die ganze Elektroinstallation koordiniert.
Im Verbund Architekt, Elektriker und Integrator wird die Vision des Kunden geplant und realisiert.
Bei einer Renovation gibt es Leitsystem welche sich mehr und solche welche sich weniger eignen. In der Berner Altstadt z.B. haben wir gute Erfahrungen gemacht mit einem PowerLine basierten System (digitalSTROM) welches das bestehende 230V Kabel als Kommunikationsmedium braucht. Vorteil: Keine zusätzlichen Kabel, kein Funk mit Verstärkern oder Repeatern. Das System ist fix verbaut und kann einfach und individuell angepasst werden, auch wenn es einen Mieterwechsel gibt mit neuen Lampenstellen oder andern Stimmungswünschen. Also ja, nachrüsten ist immer möglich.

Jonas Hiller bekommt bald einen Tesla. Was eröffnet das für neue smarte Möglichkeiten?

Der geliebte Tesla! Grundsätzlich gibt es da eine Serie von Möglichkeiten an welchen wir aktuell auch arbeiten. In der Basis kann man den Tesla in seine SARAH (verbauter Smart Home Server bei Herrn Hiller) integrieren. Nun sieht man immer, wie z.B. der aktuelle Ladezustand das Wagens ist, kann ihn vom zentralen Display im Wohnzimmer vorheizen oder sicherstellen dass der Wagen auch an der Ladestation angeschlossen ist.
Durch die Integration der Photovoltaik Anlage und Ladestation können optimierte Ladezyklen generiert werden oder über das Ortungssystem kann das baldige eintreffen von Herrn Hiller zuhause über die Lautsprecher angekündigt werden. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzte, ob man nun «Kommen» beim Einfahren aktiviert oder bereits das Fitness Zimmer mit TV Anlage hochfährt kann individuell vom Bewohner bestimmt werden.
Wir als Integratoren erleben beinahe täglich, dass neu Integrierte Geräte wieder neue Kombinationsmöglichkeiten eröffnen, an welche initial noch niemand gedacht hat.
In unserem Verständnis ist SmartHome eine Lebensart welche in 5-10 Jahren Standard sein wird. Es kann gut sein, dass es dann nicht mehr «Smart Home» heissen wird, da es neue Formen und Funktionen angenommen hat, aber smart wird es sicher sein!

 

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